9. Juni 2015 - Wirtschaftsgymnasiasten erkunden "Stolpersteine" in Grevenbroich 

„Was wisst ihr über die jüdische Geschichte und was sind eigentlich Stolpersteine?“ Mit diesen Fragen begann für die Schülerinnen und Schüler des Geschichtskurses des Wirtschaftsgymnasiums am BBZ eine Exkursion in die jüdische Geschichte Grevenbroichs. Ulrich Herlitz vom Grevenbroicher Geschichtsverein informierte die Schülerinnen und Schüler mit ihrem Lehrer Johannes Niebuhr über die weit zurück reichende Geschichte Grevenbroicher Juden, die mit der NS-Zeit ein abruptes Ende fand.

Bei der Exkursion wurden mehrere so genannte Stolpersteine in der Grevenbroicher Innenstadt aufgesucht. Auf den in den Boden eingelassenen kleinen Steinen mit einer oben angebrachten Messingplatte sind die Namen jüdischer Bürger mit den jeweiligen Geburts- und Sterbedaten eingraviert.

Ulrich Herlitz, der sich ehrenamtlich insbesondere für die Geschichte jüdischer Grevenbroicher einsetzt und mit wenigen Überlebenden bis heute regen Kontakt hält, klärte die Schülerinnen und Schülern zunächst über die lange jüdische Geschichte in Grevenbroich auf. Erste jüdische Familien siedelten bereits seit dem 3. Jahrhundert im Rheinland. Auch viele jüdische Familien, die in Grevenbroich lebten, lassen sich bis ins  16. Jahrhundert zurück datieren. Anschließend machte Herlitz deutlich, dass die jüdischen Grevenbroicher ein ganz „normaler“ Teil der Gesellschaft waren und auch mitten in Grevenbroich lebten. So führte Ulrich Herlitz die Schüler vor das ehemalige Textilgeschäft Alfred Heinemanns, das sich inmitten der Grevenbroicher Fußgängerzone befindet. Mit dem Beginn der Naziherrschaft begann jedoch die schrittweise Ausgrenzung, die in der Reichspogromnacht 1938 einen ersten gewaltsamen Höhepunkt fand und schließlich mit der Deportation jüdischer Grevenbroicher in die Vernichtungslager endete. 186 Grevenbroicher jüdischen Glaubens verloren dabei ihr Leben.

Den Stolpersteinen, die sich  vor dem Geschäft Heinemanns befinden, konnte man die traurige Tatsache entnehmen, dass auch Alfred Heinemann mit seiner Frau und seinen 13 und 16 Jahre alten Kindern der Vernichtung zugeführt wurden.

Im Anschluss waren die Schülerinnen und Schüler gefordert. In kleinen Gruppen suchten sie Stolpersteine  - u.a. vor der Coens Galerie - auf. Hier befragten sie Passanten oder die Mitarbeiter in den Geschäften, was sie von der jüdischen Geschichte „direkt zu ihren Füßen“ wissen und was sie von den Stolpersteinen halten. Die Schülerin Sophie Perlitz war im Ergebnis positiv überrascht: „Ich hätte nicht gedacht, dass so viele so gut Bescheid wussten über die Juden in Grevenbroich.“ Auch zeigte sich der Großteil der Befragten überwiegend aufgeschlossen gegenüber der Erinnerung an die Grevenbroicher Juden und begrüßte die Errichtung von Stolpersteinen. Offenbar zeigten sich nur wenige abweisend oder desinteressiert.

Insgesamt konnte der Geschichtslehrer Johannes Niebuhr ein positives Fazit ziehen: „Eine solche Auseinandersetzung mit der lokalen Geschichte ist eine abwechslungsreiche Ergänzung zum Unterricht und ich konnte selbst viel Neues über die jüdische Geschichte Grevenbroichs erfahren.“

 

Ganz besonderer Dank gilt Ulrich Herlitz, der die Exkursion mit ansprechendem Begleitmaterial vorbereitet und in dieser Form erst möglich gemacht hat.

 

Johannes Niebuhr

Rheinische Post/Neuß-Grevenbroicher-Zeitung
16. November 2010

Carsten Sommerfel
d

Ein Mann will erinnern

Grevenbroich (NGZ) Ulrich Herlitz hat sich mit den jüdischen Familien in Grevenbroich befasst – kennt ihre Namen und Geschichte. Er will zeigen, dass hinter den Millionen Verfolgten im Dritten Reich Einzelschicksale – auch bei uns – stehen.

"Juden waren ein fester Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens"Auf dem Tisch liegen alte Fotos vom Textil-Geschäft Heinemann. "Das Unternehmen war weithin bekannt, zeigte als erstes in der Stadt Models im Schaufenster, es gab einen Auflauf auf der Breite Straße", erzählt Ulrich Herlitz. Doch die Bekanntheit schützte vor Verfolgung nicht: Mehrere Male wurden die Fensterscheiben eingeschlagen, Alfred und Frieda Heinemann sowie ihre Kinder Margot und Ernst zogen Mitte der 30er Jahre nach Köln, kamen 1941 ins Ghetto in Lodz, dort verlor sich ihre Spur – sie wurden für tot erklärt. "Der Holocaust fand nicht nicht nur in der Ferne – in Konzentrationslagern im Osten – statt, auch hier bei uns wurden Menschen verfolgt", sagt Herlitz. Der 43-jährige Grevenbroicher will jüdische Familien in der Stadt dem Vergessen entreißen, ins Bewusstsein bringen – etwa im 2009 gegründeten Arbeitskreis Judentum des Geschichtsvereins Grevenbroich. Herlitz leitet den Arbeitskreis, der mit dem Kölner Künstler Gunter Demnig für den 6. Dezember die zweite "Stolpersteine-Aktion" in Grevenbroich organisiert. Vier Messingplatten im Pflaster werden dort, wo die Familie Heinemann einst lebte, an sie erinnern. Sie teilt ihr Schicksal mit rund sechs Millionen Juden, die von den Nationalsozialisten zwischen 1933 und 1945 verfolgt, verschleppt, ermordet wurden.

Herlitz will mit an die Einzelnen hinter der riesigen Zahl erinnern. "Für Geschichte habe ich mich schon früh interessiert", erzählt er. Sein Großvater und sein Geschichtslehrer Josef Lieven am Pascal-Gymnasium prägten ihn. Eine besondere Begegnung: "Bei einer Veranstaltung am 9. November 1988 traf ich Marianne Stern." Die 1919 Geborene überlebte die Verfolgung, kehrte nach dem Zweiten Weltkrieg nach Hemmerden zurück. Herlitz begann sich mit dem Leben auch anderer jüdischer Familien in der Stadt zu befassen. "In den Semesterferien war ich viel im Stadtarchiv", erzählt Herlitz, der frühere Bürgermeister-Referent arbeitet als Assistent der Geschäftsleitung beim Sanitär-Großhandel Gottschall und Sohn in Kapellen. "Juden haben mit das Krankenhaus und das Erasmus-Gymnasium gegründet, haben mit die Feuerwehr aufgebaut. Sie waren ein fester Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens in Grevenbroich", sagt der Vater eines 15 Jahre alten Sohnes. In der Versandhalle und im Museum zeigte Herlitz eine sehenswerte Ausstellung über jüdische Familien in der Stadt. Er will die Strukturen aufzeigen, unter denen Menschen Opfer, Täter und Mitläufer wurden. An der Stolpersteine-Aktion wird ein Verwandter der Heinemanns, Rolf Levy aus Aachen, teilnehmen, vom Leben und Schicksal jüdischer Menschen erzählen. "Zeitzeugenberichte sagen viel mehr als Geschichtsbücher", so Herlitz.

Hier können Sie den Artikel als pdf downloaden!

stolpersteine1.jpg
Statt-Blatt Januar 2010

Stolpersteine gegen das Vergessen
Anja Naumann


Es war der 10. Dezember 1941, als ein Großteil der niederrheinischen Juden in einer ersten großen Aktion in das Ghetto Riga deportiert wurden. Neben den Familien Winter und Theisebach aus Hemmerden gehörte unter anderem die Familie Katz aus Wevelinghoven zu den Opfern. Am 10. Dezember 2009 nun, genau 68 Jahre später, sorgte der Kölner Künstler Gunter Demnig dafür, dass diese und die vielen anderen Opfer des Holocaust nicht vergessen werden. „Stolpersteine“ heißt die Kunstaktion des Bildhauers, und eben solche hat Demnig an diesem Tag in den Grevenbroich Boden eingelassen, genau vor den Häusern, in denen ehemals Juden lebten. Versehen sind die Steine mit den Namen der Bewohner, die deportiert und ermordet wurden. Die Messingquader sind zwar klein, aber ihre Wirkung ist groß. Denn: Wer sie sieht, hält inne, „stolpert“ regelrecht über die glänzenden Steine und liest die Aufschrift. „Die Erinnerung an die Menschen, die einst hier lebten, wird so lebendig“, erklärt Demnig. Denn für ihn ist klar: „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist.“An sieben Stellen in vier Stadtteilen -Stadtmitte, Hemmerden, Gustorf-Gindorf und Wevelinghoven - hat Demnig insgesamt 27 Stolpersteine zum Gedenken an jüdische Familien verlegen. Finanziert wird das Projekt über Spenden; Interessenten können eine Patenschaft für einen Stolperstein oder auch für einen konkreten Namen übernehmen. Teilspenden sind ebenfalls möglich. In über 520 deutschen Städten hat der Künstler die Quader bereits verlegt. Mittlerweile nimmt die Aktion auch europäische Dimensionen an; in den kommenden Jahren wird Demnig in Norwegen, Dänemark und Frankreich tätig werden. Dass sein Projekt einmal solche Ausmaße annehmen würde, damit habe er nicht gerechnet, so Demnig . „Als ich 1993 meine Arbeit mit den Steinen begonnen habe, bin ich nicht von einer solchen Resonanz ausgegangen. Jetzt ist die Nachfrage so groß, dass ich bis Juni 2010 fest verplant bin“, freut er sich. Was ihn außerdem berührt, ist das große Interesse Jugendlicher an seiner Aktion. „Gerade ihnen wird oft Desinteresse an der eigenen Geschichte nachgesagt. Ich habe das zum Glück ganz anders erlebt, mit Jugendlichen, die Fragen stellen und Anteil nehmen. Sie sind ganz und gar nicht genervt von diesem Thema, sondern sie wollen wissen, was damals geschehen ist und wie es zu solchen Gräueltaten kommen konnte.“ Eine zweite Verlege-Aktion ist bereits geplant. „Wichtig ist, dass die Stolpersteine nicht nur für jüdische Opfer, sondern für alle Holocaust-Opfer, also auch Zwangsarbeiter, politische Opfer, Sinti und Roma, Homosexuelle und Wehrmachtsflüchtlinge gedacht ist“, betont Ulrich Herlitz, Leiter des Arbeitskreises Judentum. Er zeigte sich erfreut über die Anwesenheit von Bürgermeisterin Ursula Kwasny beim ersten Verlegen der Steine. „Das zeigt, dass sich die Stadt Grevenbroich ihrer Geschichte stellt – auch dann, wenn sie unangenehm ist.“
Herlitz, der sich bereits seit Jahren mit der Geschichte der Grevenbroicher Juden befasst, hatte Anfang der 90er Jahre eine Vorläufer-Aktion ins Leben gerufen: Mit der Katholischen Hauptschule und der Holocaust-Überlebenden Marianne Stern hatte er eine Tafelwand mit den Namen ermordeter Grevenbroicher Juden auf dem Synagogenplatz angebracht. Bei aller positiven Resonanz hat der Bildhauer Demnig aber nicht nur freundliche Reaktionen auf seine Aktion erfahren. Morddrohungen von ewig Gestrigen habe er bekommen und auch die Kritik gehört, die Stolpersteine – und damit sinnbildlich die auf ihr verewigten Opfer – würden mit Füßen getreten. Diesen Gedanken kann der Künstler nicht nachvollziehen; vielmehr würden die Steine durch das Darübergehen ihren Glanz erhalten. „Und wer über die Steine stolpert, der bleibt stehen und nimmt, um die Inschrift lesen zu können, automatisch eine gebückte Haltung ein, die an eine demütige Haltung erinnert.“ Und die – wenigen – negativen Reaktionen  können ihn nicht abschrecken. „Ich erlebe so viel Positives bei dieser Aktion, ob es die Gespräche mit Jugendlichen sind oder auch die Reaktionen Angehöriger. Und dann weiß ich, dass sich der Aufwand lohnt und dass ich ihn weiter betreiben werde.“

Hier können Sie den Artikel als pdf downloaden!


Rheinische Post/Neuß-Grevenbroicher Zeitung
11. Dezmeber 2009
Wiljo Piel

"Stolpersteine" für Grevenbroich - Kunst-Projekt erinnert an die Opfer des NS-Regimes/27 Quader im Stadtgebiet verlegt

Grevenbroich (wilp). Mit Hut und dicker Lederweste ging Gunter Demnig (62) gestern Morgen ans Werk: Bei Nieselregen und kühlen Temperaturen verlegte der Kölner Künstler 27 "Stolpersteine" aus Messing. Mit den kleinen Quadern soll an jüdische Bürger erinnert werden, die den Nationasozialisten zumOpfer fielen.
Grevenbroich ist die mittlerweile 525. KOmmune, in der Demnig seine Steine verlegt - in den vergangenen neun Jahren er bereits über 22 000 Quader einzementiert. "Und es werden immer mehr", sagt der 62-jährige: "Im nächsten Jahr wird das Kunstprojekt auf Norwegen und Dänemark ausgeweitet, in 2011 werde ich in Frankreich zu Gast sein." Die "Stolpersteine" , die er vor den ehemaligen Häusern der NS-Opfer ains Trottoir einlässt, tragen die Namen der Bewohner, die deportiert und er,mordet wurden. "So wird die Erinnerungen an die Menschen lebendig, die einst hier leben", erklärt Gunter Demnig.
Der Stadtrat hatte sich im Januar für die Kunstaktion ausgesprochen, der Geschichtsverein übernahm die Organisation. "Dank der Unterstützung vieler Spender können wir schon zum Auftakt des Projekts nicht weniger als 27 Steine verlegen", betonte Ulrich Herlitz: "Danmit kann an Menschen erinnert werden, die hier lebten und arbeiteten." Etwa an die Familien Winter und Theisebach aus Hemmerden, an die Löwenthals und Gordons aus Gustorf, an die Katz`aus Wevelinghoven oder die Goldsteins, Hertz`und Levys aus der Innenstadt.
Für den Grevenbroicher, der sich seit Jahren mit der Geschichte der jüdsichen Familien auseinander setzt, haben die kleinen Gedenksteine eine ganz besondere Bedeutung: "Sie erinnern an die Auslöschung von Menschen, die über Jahrhunderte hier ansässig waren. Sie hatten in Grevenbroich ihre Heimat und setzten sich für das Gemeinwesen ihrer Vaterstadt ein - entweder als Mitglieder des Erasmus-Gymnasiums, der örtlichen Feuerwehr oder des Närrischen Sprötz-Trupps in Gustorf."
Das Datum für die erste Verlegeaktion war übrigens bewusst gewählt worden: "Am 10. Dezember 1941 wurden die meisten niederrheinischen Juden in einer ersten großen Welle in das Ghetto von Riga deportiert. Darunter auch die Familien Winter und Theisebach aus Hemmerden sowie die Familie Katz aus Wevelinghoven", so Herlitz.
Die zweite Aktion ist bereits in Planung. Wer einen Patenstein übernehmen möchte (Kosten 100 Euro), kann sich mit dem Grevenbroicher Geschichtsverein in Verbindung setzen.

Rheinische Post/Neuß-Grevenbroicher Zeitung
3. November 2009

Dezentrales Denkmal
NGZ-Interview Wiljo Piel mit Ulrich Herlitz zu Stolpersteinen


Grevenbroich (wilp) Sie lebten in Grevenbroich, ihre Geschäfte waren fester Bestandteil des Handels in der Stadt, sie waren in das gesellschaftliche Leben integriert ­ bis die Nationalsozialisten an die Macht kamen. Juden sind in der Zeit des Dritten Reichs aus dem Stadtbild verschwunden: Sie wurden enteignet, vertrieben, abtransportiert, ermordet. Auf Initiative des Geschichtsvereins sollen in der Stadt Stolpersteine verlegt werden, die an das Schicksal dieser Juden erinnern. NGZ-Redakteur Wiljo Piel sprach mit dem Hauptorganisatoren der Aktion, Ulrich Herlitz vom Arbeitskreis Judentum.

Herr Herlitz, was sind Stolpersteine?

Herlitz: Stolpersteine sind zehn mal zehn Zentimeter große, beschriftete Gedenktafeln aus Messing, die vor Häuser und Wohnungen, in denen früher Juden lebten und arbeiteten, ins Straßenpflaster eingelassen werden. Diese kleinen Mahnmale mit den persönlichen Daten der jüdischen Bürger sind eine Idee des Kölner Bildhauers Gunter Demnig. Ziel dieserKunstaktion ist es, das Gedenken an die Opfer des Holocaust im Stadtbild präsent zu machen.

Grevenbroich folgt damit dem Beispiel vieler anderer Städte ­ warum?

Herlitz: Weil wir Demnigs Idee eines dezentralen, von der Bürgerschaft getragenen Denkmals befürworten. Mittlerweile liegen diese kleinen Gedenktafeln in über 300 Orten der Bundesrepublik, aber auch in Österreich, Ungarn und den Niederlanden. In einem ersten Schritt wollen wir mit Gunter DemnigStolpersteine an acht Stellen in vier Grevenbroicher Stadtteilen verlegen ­ und zwar in Gustorf, Gindorf, Hemmerden und Wevelinghoven.

Wann werden die Steine verlegt?

Herlitz: Wir haben bewusst den 10. Dezember ausgewählt. Der Hintergrund: Im Jahr 1941 wurden genau an diesem Tag die meisten niederrheinischen Juden­ darunter auch die Familie von Marianne Stern, die als einzige Holocaust-Überlebende bis zu ihrem Tod im Jahr 1998 in Hemmerden lebte, von dort in das Ghetto von Riga deportiert.

Wie wird die Aktion finanziert?

Herlitz: Wir suchen nach Grevenbroichern, die eine Stein-Patenschaft übernehmen möchte. Die Kosten: 100 Euro je Stolperstein. Davon gehen 95 Euro an den Künstler, fünf Euro werden anteilmäßig für eine Dokumentation der Kunstaktion in unserer Stadt verwendet.

Wie ist die bisherige Resonanz?

Herlitz: Sie läuft ganz gut an. In Wevelinghoven haben sich neben Privatleuten auch der Bürgerschützenverein, die Gemeinschaft "Historisches Wevelinghoven" und die katholische Frauengemeinschaft für eine Patenschaft gemeldet. Dies zeigt, dass man sich mit der Geschichte vor Ort - auch in Bezug auf den Holocaust - identifiziert.

Gibt es formelle Hürden, die es vor der Aktion zu meistern gilt?

Herlitz: Nachdem der Hauptausschuss anlässlich eines Besuches des ehemaligen Grevenbroicher Juden Fred Stern beschlossen hat, dass sich Grevenbroich an der Aktion beteiligt, haben wir uns bereits das Einverständnis der jüdischen Gemeinde Düsseldorf und des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden Nordrhein eingeholt. In der nächsten Woche wird die Stadt Grevenbroich die heutigen Eigentümer der Häuser informieren, in denen früher jüdische Familien gelebt haben. Auch wenn es rechtlich nicht zwingend notwendig ist, möchten wir ihr Einverständnis haben, um die Plaketten vor ihrem Eigentum verlegen zu dürfen.

Wie viele Juden gab es zur NS-Zeit in Grevenbroich?

Herlitz: Wir haben aus dieser Zeit eine Liste mit rund 250 Menschen vorliegen, die hier an der Erft geboren wurden. Etliche von ihnen sind jedoch in umliegende Großstädte umgezogen. Die Stolperstein-Aktion bezieht sich rein auf die Familien, die ihren letzten frei gewählten Wohnort in Grevenbroich hatten, bevor sie in die Vernichtungslager der Nationalsozialisten deportiert wurden. Davon betroffen waren nach derzeitigem Kenntnisstand etwa 40 Menschen.

Es kann also davon ausgegangen werden, dass die Aktion nach dem 10. Dezember fortgesetzt wird?

Herlitz: Das wird keine einmalige Sache sein. Wir haben schon jetzt über 25 Stolpersteine finanziert, eine Fortsetzung ist damit auf jeden Fall geplant.


Rheinische Post/Neuß-Grevenbroich Zeitung
21. März 2009

Im Herbst kommt der erste Stein - Geschichtsverien organisiert bundesweite Kunstaktion auch für die Stadt Grevenbroich

Lesen Sie den Artikel hier...